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Bericht Eine offene" Station in einer psychiatrischen Klinik Wegen Schlafstörungen, die bei mir oft im Vorfeld einer Krise auftreten (meine Ärztin war in Urlaub), bat ich meinen Lebenspartner am Ende Dezember vorigen Jahres, mich vorsichtshalber in die psychiatrische Klinik am Ort zu bringen. Ich wurde der Station XYZ zugewiesen, eine offene Station, wie mir der diensthabende Arzt bei der Aufnahme mitteilte. Ich bin vor ein paar Jahren aus einem anderen Bundesland umgezogen, und habe alle Krisen in den letzten 10 Jahren mit geringfügiger Bedarfsmedikation (Melleril) überwunden. Dies teilte ich dem Stationsarzt mit, der mir trotzdem direkt Atypka andienen wollte. Weiter sagte ich ihm, daß ich gegen Sulfonamide allergisch sei. Dies mußte ich auch selbst veranlassen, denn mein Gegenüber hat nicht nach vorhandenen Allergien und körperlichen Problemen gefragt, obwohl ich nicht mehr die Jüngste bin. Geeinigt haben wir uns auf Melleril als Bedarfsmedikation. Wie ich später feststellte, (ohne vorherige Laborkontrollen o. ä.) war diese jedoch sehr großzügig bemessen, (ich konnte mir bis zu 600 mg pro die holen) obwohl ich keine direkten Anzeichen einer Psychose zeigte (war ja eine Vorsichtsmaßnahme, mein Aufenthalt dort, so wie ich es in meinen Therapien vorher gelernt hatte, sofort Hilfe zu suchen). Ich bin erschrocken, wie medikamentös angeschlagen" die Leute gewirkt haben, und zwar so ziemlich 90% der MitpatientInnen. Aus früheren Klinikaufenthalten kenne ich das Verhältnis eher umgekehrt, daß auf der Station (ebenfalls eine offene) nur wenige Patienten medikamentös so "abgeschossen" wirken. In meinem Zimmer stellte ich fest, daß es 2 Toiletten gab, wovon eine nicht abschließbar war, es gab kein Schloß an der Tür, die 2. Toilette befand sich im Duschraum, der war abschließbar. Nach Einräumen meiner Sachen in den Kleiderschrank fragte ich nach einem Schrankschlüssel. Die Auskunft war, daß viele PatientInnen die Schlüssel verloren hätten. Deshalb gäbe es keine Schlüssel mehr für die PatientInnen, man könnte sich ja seinen Schrank vom Personal auf- und zuschließen lassen. Hier scheint der Begriff offene Station" wohl etwas mißverständlich interpretiert zu werden. Wenn man hinausgehen wollte, mußte man das Pflegepersonal ansprechen und sich abmelden, was an sich o.k. ist. Als ich dies tun wollte, und mich regelgerecht dort meldete, wurde ich erstmal etwas barsch angefahren, ich möge warten. Die beiden Pflegekräfte führten ihr Gespräch weiter, es drehte sich ausschließlich um die private Hundehaltung. Auf meine Abmeldungsmöglichkeit habe ich einige Zeit, vor dem Stationszimmer stehend, gewartet. Eine Nachtwache, fiel mir durch ihre unfreundliche und abwertende Art uns PatientInnen gegenüber ganz besonders auf. Es waren die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr. In keiner Klinik finden dann übliche Therapieabläufe statt. Nur kenne ich es aus anderen Kliniken, daß sich das Pflegepersonal durchaus mal zu den Patienten setzt, mit ihnen Spiele macht, in der Küche etwas backt usw. Nicht so auf dieser Station. Ich war 3 Tage dort, nicht einmal ließ sich in den allgemeinen Aufenthaltsräumen, im Zimmer irgendeine Pflegekraft über den üblichen Routineablauf (Betten machen etc.) dort blicken. Die durchweg mit Medis abgeschossenen" MitpatientInnen waren sich selbst überlassen und vegetierten regelrecht vor sich hin. Eine Teeküche gab es wohl. Diese war fest verschlossen und nur vom Pflegepersonal zu öffnen, die Patienten konnten die Teeküche nicht für sich nutzen oder nur dann, wenn sie jeweils das Personal ansprachen, damit die Küche aufgeschlossen wird (wie mir nach meinem Beschwerdebrief der Chefarzt der Klinik mitteilte). Am 3. Tag habe ich mich beim Pflegepersonal gemeldet, um mitzuteilen, daß ich den Aufenthalt abbreche. Gefragt warum, habe ich mitgeteilt, daß man durch die angetroffenen Verhältnisse auf dieser Station schon alleine krank würde. Eine diensthabende Ärztin wurde gerufen, der ich den gleichen Grund für meinen Entlassungswunsch nannte. Diese meinte, daß nur sie entscheiden würde, ob ich gehen dürfte (obwohl ich ja freiwillig dort war). Ich habe gegen ihre Drohgebärde dagegengehalten, daß, wenn ich nicht gehen könnte, ich mich wehren würde (juristisch). Ich konnte nach Hause. Fazit: Ich werde eine Vorsorgevollmacht/Patiententestament beim Rechtsanwalt abschließen. An meinem früheren Wohnort war dies nicht notwendig. Ich dachte bisher, daß die Psychiatrie der 50er/60er/70er Jahre nicht mehr so häufig in Deutschland existiert. Ich wurde eines Besseren belehrt, auch Erzählungen anderer Betroffener belegen, daß dies kein Einzelfall ist. Rosa Pillenknick im Januar 2002
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