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Eine andere Sicht von seelischer Störung – naturwissenschaftliche Überlegungen zur (Selbst-)Heilung
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Übersicht:
Die Offenheit des Philosophen Gadamer habe ich in der Psychiatrie schmerzlich vermisst. Ich erlebte, dass das Medizinische Krankheitsmodell seelischer Störungen dort maßgeblich das Denken und Handeln bestimmt. Gemeint ist die Auffassung, dass seelische Störungen primär als Folge eines gestörten Hirnstoffwechsels auftreten. Dorothea Buck kritisiert dieses Modell als für uns Betroffene verhängnisvolle Theorie, die dem Verständnis seelischer Störungen entgegensteht. Wir sagen aus Erfahrung, dass das medizinische Krankheitskonzept (oft) krank macht, anstatt gesund. |
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Das medizinische Krankheitsmodell seelischer Störungen macht krank...
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| *) Ich selbst habe mich vor allem aufgrund von Erfahrungen bei der Erstbehandlung schon frühzeitig vom Medizinischen Krankheitsmodell distanziert. Das Medizinische Krankheitskonzept ist ein naturwissenschaftliches Modell, das traditionell dem deterministischen Weltbild Isaac Newtons folgt. Sie sollten wissen, dass es heute in den Naturwissenschaften längst unstrittig ist, dass solche Modelle nur einen Teil des Naturgeschehens abbilden. Daneben zeigt sich Natur als offenes Geschehen, als unablässiges Spiel mit neuen Mustern und Formen, dessen Ergebnisse prinzipiell nicht vorhersagbar sind.
Ilya Prigogine ist einer der Pioniere dieses neuen Weltbildes. 1977 bekam er den Nobelpreis für Chemie. Es dürfte leicht nachvollziehbar sein, warum ich mich als Betroffener und Naturwissenschaftler für seine Arbeit besonders interessiere. Dorothea Buck und Ilya Prigogine schafften mir Freiräume des Denkens und Handelns, die durch das medizinische Krankheitskonzept verstellt waren, Freiräume die ich unbedingt brauchte, um mich entwickeln zu können, Freiräume, die ich innerhalb psychiatrischer Institutionen selten vorgefunden habe. |
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Durch
Selbstorganisation zu einer neuen Ordnung |

| Prigogine
untersuchte Reaktionsketten, in denen verschiedene Teile eines Systems
in einer Art zirkulärer Kausalität verbunden sind. In solchen
Systemen ist jeder Faktor Ursache und Wirkung zugleich. Die Faktoren
wechselwirken nach bestimmten lokalen Regeln. Wenn er solche Systeme
von außen störte, so bildeten sich je nach Bedingungen verschiedene
räumliche und zeitliche Muster, die Prigogine „dissipative
Strukturen“ nannte.5) Er
spricht von spontaner Selbstorganisation der Systeme.Einmal sensibilisiert
für dieses Phänomen sah man plötzlich die Kreativität
der Natur bei der Bildung von Mustern allerorten. Prigogine gab den
Anstoß zu interessanten Forschungsarbeiten in den verschiedensten
Fachgebieten. Ich würde Ihnen an dieser Stelle gerne einen Überblick
geben über Beispiele aus der Mathematik, Physik, Chemie und Biologie
etc., muss hier aber aus Zeitgründen eine Lücke (-------)
6) lassen und in einem
„Riesensatz“ direkt zum Menschen springen.
... ist er zuallererst Persönlichkeit, die zu achten und zu fördern
selbstgestellte Aufgabe jedes demokratischen Gemeinwesens ist. Persönlichkeit
entwickelt in der Konfrontation von inneren und äußeren Bedingungen
eine körperliche und seelische Struktur, die sich in Selbstorganisation
bildet und verändert (zuweilen auch sprunghaft). Ob sie eine positive
oder negative Eigendynamik entwickelt, hängt wesentlich vom jeweiligen
Zustand des Selbstbewusstseins einer Person ab. |

| Ein
Mensch kann ein als schwierig erlebtes Umfeld verkraften und an den
Aufgaben wachsen, die ihm dort gestellt werden. Er kann in diesem Umfeld
aber auch scheitern, wenn er keine Möglichkeit findet, sich vor
Überforderung zu schützen. Eine positive Eigendynamik kann
„kippen“. Mensch kann verzweifeln oder „abheben“
und auf verschiedene Weise auffällig werden. |
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Thesen zur Persönlichkeitsentwicklung (eigentlich selbstverständlich, aber in der Psychiatrie ist alles anders...)
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| Neugier auf Fremdes und Störendes, damit beginnt Veränderung. Die Wahrnehmung und Haltung gegenüber neuen Ideen und Menschen verändert sich, die uns früher Angst gemacht haben - damit fängt es an. |
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