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Psychosebehandlung mit klassischer Homöopathie -
ein kurzer Erfahrungsbericht
2.
Forderungen zu den Rahmenbedingungen, die für die Entwicklung der
Selbsthilfe existenziell wichtig sind
1.
Psychosebehandlung mit klassischer Homöopathie - Ein kurzer Erfahrungsbericht
Zu
meiner Person:
Mein Name ist der Redaktion bekannt, aufgrund meiner beruflichen Situation
kann er nicht veröffentlicht werden. Ich bin 38 Jahre, Mutter eines
19-jährigen Sohnes und seit Oktober 2001 mit meinem langjährigen
Partner verheiratet. Seit 1991 bin ich als Sozialarbeiterin berufstätig.
Ich bin Mitglied im BPE und Gründungsmitglied des hiesigen Landesverbandes
Psychiatrie Erfahrener.
Psychose Geschichte:
Meine erste Psychose hatte ich 1987 kurz vor Abschluß meines Studiums.
Ich war ca. ein halbes Jahr in der Psychiatrie. Es folgten noch drei
weitere Psychosen. Die letzte im Januar 2000.
Ich habe 11 Jahre Psychopharmaka genommen. Im Frühjahr 1998 begann
ich die Medikamente ganz langsam über einen Zeitraum von eineinhalb
Jahren abzusetzen.
Die letzte Psychose habe ich mit Unterstützung meines Partners
und unserem Freund Paul, der Arzt für klassische Homöopathie
ist, zu Hause erlebt. Ich wurde nur mit einem homöopathischen Mittel
behandelt. Die Psychose war nach 4 Wochen abgeklungen und ich konnte
bereits nach 7 Wochen wieder arbeiten gehen.
Alle vorherigen Psychosen die mit Psychopharmaka behandelt wurden, dauerten
in der akut Phase erheblich länger. Anschließend hatte ich
immer schwerste Depressionen über Monate und massive körperliche,
motorische und emotionale Beeinträchtigungen. In der Regel brauchte
ich etwa ein Jahr um mich soweit zu regenerieren, daß ich den
täglichen Verpflichtungen einigermaßen gewachsen war. Unter
Nebenwirkungen litt ich weiterhin.
Wie ich der Heilung näher kam:
Die Ärzte hatten mir 1987 u.a. Schizophrenie diagnostiziert. Nicht
heilbar und lebenslange Einnahme von Psychopharmaka. Meine Klinikaufenthalte
waren von traumatischen Erlebnissen, Zwang, Gewalt und Mißachtung
meiner Persönlichkeit geprägt. Alle Ärzte empfohlen mir,
mein Studium abzubrechen, da ich mit meiner Erkrankung keinesfalls im
sozialen Beruf tätig sein könnte.
Ich entschied mich jedoch entgegen dem Rat der Ärzte die Medikamente
abzusetzen. Dadurch war ich geistig und körperlich in der Lage
mein Studium weiter zu führen und machte 1989 meinen Abschluß.
Im Herbst 1989 erlebte ich eine zweite Psychose. Ein erneuter Klinikaufenthalt
und Psychopharmaka-Behandlung folgten. Die Prognose der Ärzte schien
sich zu bestätigen. Damit wollte ich mich jedoch nicht abfinden.
Im Rahmen der Gründungsversammlung des BPE erlebte ich Dorothea
Buck. Die Möglichkeit der Heilung und der Wunsch, dies zu erreichen,
wurden durch diese Begegnung geprägt. Ich begann mich mit den Thema
Psychose und den damit zusammenhängenden Theorien, Behandlungsmethoden,
Strukturen, Selbsthilfe und Selbstheilung zu befassen. Mein Partner
war mir in diesem Anliegen ein interessierter Mitarbeiter"
und Begleiter.
Wie mir die homöopathische Behandlung geholfen hat:
Keiner der von mir aufgesuchten niedergelassenen Ärzte konnte mit
meinem Wunsch nach Heilung umgehen. Keiner war bereit uns zu begleiten.
Also begannen wir eigene Hilfsquellen zu nutzen und zu erschließen.
Wir besprachen das Absetzen der Medikamente und was für den Fall
einer weiteren Psychose zu tun und zu lassen sei. Wer uns helfen könnte
und in welche Klinik ich gegebenenfalls gehen könnte, falls es
zu Hause nicht weiter ginge. Mein Arzt für klassische Homöopathie
bei dem ich seit 1997 bereits in Behandlung war, wurde in viele Gespräche
eingebunden. Er glaubte grundsätzlich daß es möglich
sei eine Heilung mit Hilfe der klassischen Homöopathie zu erreichen
Wir tauschten uns über besondere Inhalte meiner bisherigen psychotischen
Zustände aus. Er erklärte sich bereit, eine akute Psychose
zu begleiten.
Als dann die im Januar diesen Jahres die akute Psychose sehr schnell
auftrat, griff das meiner Persönlichkeit vorher zugeordnete Mittel
nicht. Mein Partner war den ganzen Tag zu Hause, es ging mir sehr schlecht.
Unser Arzt kam täglich, manchmal in der Nacht. Um das richtige
Mittel zu finden, orientierte er sich an den psychotischen Inhalten
und besonderen Verhaltensweisen. Er besprach sich diesbezüglich
mit meinem Partner, um festzustellen wie sich ein neu gewähltes
Mittel auswirkte. Nach 14 Tagen fand mein Arzt das passende Similimum
(Fachbegriff für das genau passende Mittel). Nachdem ich dieses
Mittel eingenommen hatte, trat innerhalb weniger Stunden eine Verbesserung
ein. Nach weiteren 14 Tagen war die Psychose abgeklungen. In den nächsten
Wochen kam es zu einigen wenigen Depressionen. Meine körperliche
und psychische Verfassung verbesserte sich täglich. Da auf der
Arbeit niemand von meiner Geschichte wusste, bin ich nach insgesamt
7 Wochen Krankenschein wieder eingestiegen. Ich arbeitete direkt ganztags.
Nach Drei Monaten konnte ich meine üblichen Aufgaben voll wahrnehmen.
Fazit:
Heute neun Monate später lebe ich ohne Psychopharmaka. Das homöopathische
Mittel muß ich nur gelegentlich einnehmen. Außer der Homöopathie
haben mir kreative Tätigkeiten, die Arbeit in der Selbsthilfe,
meine berufliche Tätigkeit und meine unermüdliche Suche nach
Informationen und Austausch bei meiner Entwicklung geholfen.
Mich auf die homöopathische Behandlung einzulassen, ist Ergebnis
meiner Auseinandersetzung. Die homöopathische Behandlung ist immer
auf den einzelnen und den gesamten Menschen abgestimmt. Es gibt nicht
einfach ein Mittel, das grundsätzlich wirkt. Die Homöopathie
unterstützt die Selbstheilungskräfte, sie bekämpft nicht
die Symptome, sondern bezieht sie mit ein. Damit steht sie außerhalb
und in völligem Gegensatz zur Schulmedizin. Leider wird sie von
den Krankenkassen nicht bezahlt. Alternative Behandlungen allgemein
stehen bisher kaum zu Verfügung. Nicht jeder hat die Möglichkeit,
sich diese selbst zu suchen. Ich kann nur Hoffnung machen und dazu auffordern,
zunehmend mehr andere Behandlungsformen zu nutzen und einzufordern.
Bisher gehört viel Mut, Arbeit und Ausdauer dazu, um eigene Wege
außerhalb der medizinisch-biologisch orientierten Behandlung zu
suchen und zu finden. Vor allem aber die persönliche Unterstützung
und Zuwendung von Menschen, die an ein selbst bestimmtes Leben glauben.
All jenen, die mir geholfen haben, gilt mein besonderer Dank.
Literaturempfehlung:
Ähnlichkeit macht stark" Homöopathie und Selbstheilung
bei seelischen Krankheiten" von Carola Burkhard-Neumann, Zenit
Verlag 2000
Seelisch gesund werden mit Homöopathie", Selbstheilungskräfte
stärken bei psychischer Erkrankung, Andrea Brüdern, Kösel
Verlag 2000
Ronja
(Räubertochter)
Pseudonym
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Forderungen
zu den Rahmenbedingungen, die für die Entwicklung der Selbsthilfe
existenziell wichtig sind
von
Ronja Räubertochter (Pseudonym)
Bevor ich auf konkrete Forderungen und Bedingungen eingehe, erzähle
ich ihnen in Ausschnitten von meinen eigenen Psychiatrie-Erfahrungen
und der damit in Zusammenhang stehenden Bedeutung von Selbsthilfe.
Eine Vielzahl von extrem belastenden Lebenserfahrungen fanden 1987
völlig unerwartet in Form einer extremen Psychose ihren Ausdruck.
Nach einem halben Jahr Psychiatrie-Aufenthalt unter hochgradiger Psychopharmaka-Behandlung
gaben das Fachpersonal mir folgende Prognosen mit auf den Weg:
- Ich sei schizophren, das bedeute nicht heilbar geisteskrank.
- Ich müsse voraussichtlich ein Leben lang Psychopharmaka einnehmen.
- Psychotherapie könne mir nicht helfen.
- Ich könne mein Studium (letztes Semester Sozialarbeit) nicht
abschließen und diesen Beruf sicher nicht ausüben.
- Ich müsse regellässig mit weiteren psychotischen Schüben
rechnen. Damals war ich 24 Jahre, alleinerziehende Mutter und dringend
auf Gesundheit und Arbeit angewiesen.
Nach der Entlassung fühlte ich mich seelisch, emotional und körperlich
völlig blockiert. Innerlich und sprachlich war ich isoliert.
Später stellte ich fest, dass ein Teil dieser Verfassung auf
die Wirkung und Nebenwirkung der Medikamente zurückzuführen
war. Ich hatte extreme Ängste vor weiteren Psychosen und ganz
besondere Ängste, noch mal in die Psychiatrie gehen zu müssen.
Wie sollte ich jetzt Geld verdienen und meinen Sohn versorgen? Ich
litt zusätzlich unter extremen Nebenwirkungen der Psychopharmaka,
die ich auf gar keinen Fall absetzten dürfe. Meine sozialen Aussenbezüge
waren weitestgehend abgebrochen, und ich hatte kein Interesse mehr
unter Leute zu gehen. Mein Leben war aus den Fugen geraten, mein Selbstvertrauen
wie weggefegt.
Dies war die Ausgangssituation in der ich den ersten Kontakt zur Psychiatrie-Bewegung
bekam. In einem Fernsehbericht mit Dorothea-Buck und weiteren Mitwirkenden
wurde u.a. über die Gründung des Bundesverbandes Psychiatrie-Erfahrener
berichtet. Ich nahm persönlichen Kontakt auf und war überwältigt
von den vielzähligen Themen, persönlichen Erfahrungsberichten
und den kritischen Haltungen bezüglich Behandlung und diagnostischer
Einordnungen. Auch andere hatten ähnliches erlebt wie ich, erlebten
Klinikaufenthalte als ähnlich traumatisierend und waren auf der
Suche nach Alternativen. Ich lernte Menschen kennen denen es gelungen
war ihre Krisen zu bewältigen. Ich beschloss diesem Weg zu folgen.
Wir gründeten bereits ein Jahr später einen Landesverband
im Saarland. Die Selbsthilfe hat mich während langer Jahre der
Auseinandersetzung mit meinen eigenen Problematiken begleitet. Ich
begann zu lesen und mich zu informieren. Im ständigen Kontakt
mit anderen Betroffenen konnte ich neue Ideen und Erkenntnisse besprechen
oder überprüfen. Ich erhielt persönliche Unterstützung
und konnte anderen wiederum Hilfe geben. Je umfassender ich mich mit
den Zusammenhängen zwischen Gesellschaftlichen, Psychiatrischen
und persönlichen Strukturen beschäftigte, um so mehr wurde
mir deutlich, dass ich mich aus dem bestehenden psychiatrischen Hilfesystem
ausklinken musste um gesund zu werden. Von professioneller Seite innerhalb
der psychiatrischen Strukturen wurde mein Wunsch nach Heilung und
meine Probleme mit den Medikamenten nie ernst genommen. Ständig
versuchte mich jemand davon zu überzeugen, dass ich nichtheilbar
krank sei und dies doch endlich akzeptieren solle.
Nachdem
ich alle Kontakte abgebrochen hatte, begannen sich die negativen Prognosen
aufzulösen. Mein Studium habe ich entgegen allen fachlichen Ansichten
1989 abgeschlossen und arbeite seither ohne längere Unterbrechung
als Sozialarbeiterin. Ich hatte drei weitere Psyschosen und davon
zwei ohne Klinikaufenthalt überwunden. Seit vier Jahren nehme
ich keine Psychopharmaka mehr und hatte seither keine weitere Psychose.
Ich führe diese Entwicklung nicht auf eine eventuelle Fehldiagnose
zurück, auch nicht darauf, dass ich eine Ausnahme sei. Ich verdanke
diese Entwicklung der Infragestellung aller psychiatrischen Prognosen
und der unermüdlichen Suche nach alternativen Hilfen.
Drei
Aspekte waren dabei wesentlich.
- Die aktive Unterstützung meines Lebenspartners,
- meine Aktivitäten und Kontakte in der Selbsthilfebewegung
- und die Beratung von professionellen Helferinnen, die in ihrer Grundhaltung
ein anderes Verständnis von Psychosen mitbrachten.
Ich gehe davon aus, dass ähnliche Entwicklungen für viele
Betroffene möglich sind. Einen wesentlichen Beitrag dazu könnte
zukünftig die Selbsthilfebewegung leisten.
Im
nun anschliessenden Teil gehe ich etwas näher auf die Forderungen
für notwendige Rahmenbedingungen zur Förderung von Selbsthilfe
ein.
Wir wünschen uns eine unvoreingenommene Wahrnehmung und wertfreie
Unterstützung aller Selbsthilfe-Formen immer dort wo sie entstehen.
Wir
wünschen uns für die Selbsthilfebewegung die Wahrung der
Autonomie, einen gleichberechtigten und gleichwertigen Umgang.
Um dies zu erreichen ist es wesentlich zu erkennen, ob und wie die
Selbsthilfe dem Einzelnen, dem Behandlungssystem und der Gesellschaft
nutzen kann.
Machen
sie sich ein eigenes möglichst vorurteilfreies Bild von der Selbsthilfebewegung.
Fühlen
sie sich durch die Infragestellung der Behandlung und der Behandlungsangebote
nicht persönlich angegriffen, sondern versuchen sie den tatsächlichen
Zusammenhang und die darin liegenden Chancen für sich und für
die Betroffenen zu erkennen.
Haben sie den Sinn der Selbsthilfe erfasst, gibt es viele Möglichkeiten
der Unterstützung.
Nehmen sie an Psychose-Seminaren teil.
Lesen sie Erfahrungsberichte und alternative Fachliteratur.
Nehmen
sie Kontakt zur Selbsthilfe auf und informieren sie sich über
das Angebot.
Informieren
sie betroffene Menschen grundsätzlich über bestehende Gruppen
oder Veranstaltungen.
Stehen
sie beratend zur Verfügung wenn sie angefragt werden.
Beteiligen
sie bestehende Gruppen oder Initiativen in Arbeitskreisen, politischen
Gremien, Fachveranstaltungen und Fortbildungen, als gleichwertige
Partner. Das bedeutet auch darauf zu achten sie nicht für eigene
Zwecke zu missbrauchen, was in der Praxis sehr häufig vorkommt.
Selbsthilfe ernst zu nehmen und ihre Wirksamkeit zu fördern beinhaltet
neben der inhaltlichen Auseinandersetzung und Beteiligung auch finanzielle
Mittel zur Verfügung zu stellen.
Selbstverständlich
benötigen wir Räumlichkeiten und Sachmittel, um eine kontinuierliche
Arbeit aufbauen zu können.
Zusätzlich benötigen wir je nach Grösse der Verbände
und je nachdem welche Aufgaben wahrgenommen werden auch eine Finanzierung
für Personalkosten.
In
anderen Europäischen Ländern (z.B. in England oder Holland)
ist dies bereits eine Selbstverständlichkeit. Eine Vielzahl von
Psychiatrie-Erfahrenen werden dort z.B. in den professionellen Strukturen
als mitwirkende Beraterinnen einbezogen und dafür auch bezahlt.
Von diesem Ziel sind wir noch recht weit entfernt, obwohl bereits
einige diesbezügliche Projekte laufen.
Trotz häufig unterschiedlicher Ansichten sind wir interessiert,
als gleichberechtigte Partner mit allen Beteiligten zusammenzuarbeiten.
Wir wünschen uns, dass die autonome Selbsthilfebewegung für
Betroffene, Angehörige und Professionelle in Zukunft an Bedeutung
gewinnt.
Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit
28.04.04
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